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Sportdeutschland-News

„Sport ist ein wahnsinnig attraktives Feld für Partner, um sich zu entfalten“

DOSB: Claudia, nach acht Jahren als Geschäftsführerin und gut 14 bei der DSM insgesamt hast du Ende dieser Woche deinen letzten Arbeitstag. Welche Gefühle dominieren, wenn du daran denkst?

Claudia Wagner: Ich gehe zum Glück sehr entspannt in diese letzten Tage. Seit meine Entscheidung feststeht, hatte ich Phasen, in denen ich mit Sorge auf diese Zeit geblickt habe, weil ich nicht sicher war, wie hart mich der Abschied trifft. Rund um die Olympischen und Paralympischen Spiele haben wir alle extrem viel zu tun, da geht es darum, unseren Partnern einen erfolgreichen Auftritt entsprechend ihrer Unternehmensziele zu ermöglichen und uns neu dafür aufzustellen, weitere Gelder einzuwerben. Aber ich hatte das Glück, meine letzte Dienstreise zu den Paralympics nach Italien machen zu können, die seit meinen ersten Spielen 2012 in London eine echte Herzensangelegenheit für mich sind. Ich bin sehr eng mit dem Team Paralympics verbunden, umso mehr konnte ich diese Zeit wertschätzen. Ich genieße es aber auch sehr, dass ich meine letzten Arbeitstage mit meinem Team abschließen kann. Aber da du gefragt hast, welche Gefühle dominieren, antworte ich: Dankbarkeit, Glück und durchaus auch Zufriedenheit mit dem, was wir erreicht haben.

Natürlich fragen sich viele, warum du ausgerechnet in einer Phase, in der die Marke Team D etabliert ist und sich eine Bewerbung um Olympische und Paralympische Heimspiele ankündigt, deinen Traumjob im deutschen Sport aufgibst. Wie lautet die Antwort darauf?

Das war tatsächlich ein sehr harter Schritt, über den ich lange nachgedacht und sehr viel abgewogen habe. Ich bin sehr stolz auf alles, was wir erreicht haben. Dass wir über Jahre verlässlich Gelder an den DOSB und DBS übermitteln und in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld in den vergangenen Monaten einen neuen Autopartner aufgleisen und die Bekanntheit der Marke Team D um knapp 15 Prozent steigern konnten. Dass wir im internationalen Kontext olympisch und paralympisch als NOK und NPC mit unserer Arbeit andere Länder inspirieren können, ist besonders. Aber für mich ist das Kapitel in dieser Rolle an dem Punkt auserzählt, ohne dass meine Verbundenheit dazu geschmälert wäre. Ich habe gespürt, dass in mir der Wunsch besteht, beruflich einen Schritt weiterzukommen, mich noch breiter aufzustellen und zu schauen, was die Welt noch so zu bieten hat.

Du übernimmst zum 1. April in der ADAC Motorsport GmbH als Geschäftsführerin die Rolle des Chief Finance und Chief Commercial Officers. Was reizt dich daran?

Ich glaube, dass ich mich im ADAC in einem neuen Team und einem anderen Umfeld noch einmal entscheidend weiterentwickeln und meine Expertise einbringen kann. Der Job hat mich stets gefordert und inspiriert, zuletzt das Aufgleisen der Wirtschaftsinitiative zur Unterstützung unserer Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. In mir ist aber über längere Zeit das Gefühl gereift, dass mein Weg noch weitergehen kann. Ich wollte einfach eine klare Veränderung, ich werde auch nach München ziehen und noch einmal ein ganz neues Kapitel beginnen. Ich bin im vergangenen Jahr 50 geworden, vielleicht spielt auch das eine Rolle, dass mir klar wurde: Wenn du noch einmal etwas anderes machen willst, dann jetzt.

Blicken wir einmal 14 Jahre zurück auf deine Startphase bei der DSM. Hattest du damals eine persönliche Agenda, hattest du Meilensteine im Kopf, die du unbedingt setzen wolltest?

Überhaupt nicht. Hätte man mir damals aufgezeigt, wo ich heute mit der DSM stehe, hätte ich das niemals geglaubt. Ich hatte das Glück, in einem Umfeld zu arbeiten, in dem ich sehr viel entwickeln konnte, aber auch sehr viel zurückbekommen habe für meine eigene Entwicklung. 2012 habe ich als Head of Medien & Kommunikation angefangen, auf dem Posten, den jetzt in neuer Form Jens Behler-Lops innehat. Damals haben wir zum ersten Mal eine Team D Website gelauncht, wir haben erste Gehversuche auf Instagram und bei Facebook gemacht und angefangen, die Logos unserer Partner auf unseren digitalen Kanälen einzubinden, um ihnen eine Sichtbarkeit im digitalen Raum zu geben und damit Vertragswerte zu steigern. Heute erzielen wir Millionen-Reichweiten, bei den Winterspielen in Italien haben wir die Kontakt-Milliarde geknackt. In meiner Startzeit hatten wir einen Medienpartner, der exklusiv Bewegtbild aus dem Deutschen Haus produziert hat. Heute haben wir dort eine immense Öffentlichkeitswirkung, weil wir alle Live-Inhalte von dort teilen. Wir haben sukzessive das Portfolio digitalisiert, in Vermarktungsideen übersetzt und auch eine Bindung mit den Athletinnen und Athleten erzeugt, die es früher überhaupt nicht gab. Die Markenbildung von Team D hat ein ganz neues Commitment geschaffen, von dem alle Partnerschaften profitiert haben und bis heute profitieren.

Was waren aus deiner Sicht die wichtigsten Meilensteine deiner Arbeit?

Die Marke Team D in dieser Form umgesetzt zu haben, war sicherlich der wichtigste Schritt. 2018 ist diese Marke erstmals olympisch ausgerollt worden, und bis dahin war es ein harter Weg, denn man braucht dafür finanzielle Mittel, treue Partner und einen Verband, der geschlossen dahinter steht. Für mich ist Team D eine echte Love Brand geworden, hinter der sich alle im deutschen Sport versammeln können. Weg vom institutionellen, starren Rahmen hin zu einem gelebten Selbstverständnis. Das Team D ist ein verbindendes Element in einer Sportstruktur, die sich manches Mal mehr beißt als verträgt. Wir versammeln uns heute hinter einer Gesamtkonstruktion, die die größte Nationalmannschaft Deutschlands darstellt – olympisch und paralympisch. Und besonders erfüllt es mich zu sehen, dass wir auch die Jugend angeregt haben, unbedingt Teil dieses Teams werden zu wollen. Ich erlebe mit großer Freude, wie sich alles ineinanderfügt und sportartenübergreifend funktioniert, und das weit über die Spiele hinaus. Dass wir diese Marke für olympische und paralympische Athletinnen und Athleten gleichermaßen entwickelt haben, hat im Kerngeschäft sehr viel bewirkt. Die Augenhöhe, die wir dort hergestellt haben, ist für beide Seiten eine enorme Wertschätzung und für mich persönlich die vielleicht wichtigste Weiterentwicklung.

Welche Bedeutung hat dabei das Deutsche Haus, das du in deiner Zeit zu einem DSM-Vorzeigeprojekt hast ausbauen können?

Das Deutsche Haus ist seit jeher der zentrale Treffpunkt für das Team und seine Gäste. Wir haben es aber über die Jahre in Funktion, Reichweite und Bedeutung immens ausbauen können - von der reinen Hospitality-Plattform zu einem Hotspot, der die Bedarfe aller Stakeholder vereint. Eines für alle(s), wie wir sagen. Paris 2024 zum Beispiel war sensationell und nichts weniger als ein Meilenstein in der Entwicklung der Plattform. Das Deutsche Haus in einem Rugbystadion umzusetzen, mit großer Fanzone, mit Livekonzerten auf einer Showbühne, war eine sehr mutige, aber absolut richtige Entscheidung. Wir hatten insgesamt 57.000 Besucher dort und konnten dadurch eine Atmosphäre und ein Gesamterlebnis für Team D schaffen, das es bis dahin nicht gegeben hat. Das Vertrauen des Präsidiums und des Vorstands in unsere Idee und Arbeit war unglaublich. Dem Haus nicht nur die Strahlkraft zu verleihen, die man live oder am Bildschirm erleben konnte, sondern das Projekt auch wirtschaftlich gut aufzustellen, war eine sehr sportliche Aufgabe. Dass uns das perfekt gelungen ist und der Auftritt auch international große Beachtung gefunden hat, macht mich stolz. Ich möchte aber auch die Einkleidung von Team D hervorheben, die wir seit einigen Jahren als mehrwöchige Veranstaltung und attraktive Erlebniswelt inszenieren, was total trägt. Die Einkleidung ist eine etablierte Plattform und Wertschätzung für unser Team D, aber auch eine essenzielle Aktivierungsmöglichkeit für die Wirtschaftspartner, Content-Maschine und medialer sowie emotionaler Kick-Off kurz vor Abreise zu den Olympischen und Paralympischen Spielen.

Die doppelte Gold-Leni und Medaillenregen in der Loipe

Anna-Lena Forster sorgte für die beiden deutschen Goldmedaillen. Weitere Sprünge nach ganz oben aufs Podest gelangen zwar nicht, doch 17 Edelmetalle und zahlreiche Spitzenplatzierungen insbesondere von jungen Athlet*innen machen Mut für die Zukunft.

40 Athlet*innen und acht Guides - so groß war das Team D Paralympics im Winter seit Lillehammer 1994 nicht mehr. Und die zweitgrößte Mannschaft, die exakt zur Hälfte aus Debütant*innen bestand, hat in der Breite im internationalen Kräftemessen großartige Resultate erzielt: zweimal Gold, sechsmal Silber und neunmal Bronze lautet die Bilanz mit Blick auf die Medaillen. Das sind fast so viele Edelmetalle wie vor vier Jahren in Peking und 2018 in PyeongChang, als es das deutsche Team jeweils 19 Mal aufs Treppchen schaffte. Hinzu kommen 31 Resultate auf den Rängen vier bis acht, darunter allein zehn vierte Plätze. Teils fehlten nur Wimpernschläge oder wenige Sekunden für weitere Sprünge aufs Treppchen. Zum Vergleich: In Peking 2022 waren es 19 Ergebnisse auf den Plätzen vier bis acht, davon siebenmal Rang vier.

Insgesamt waren 611 Athlet*innen aus 55 Nationen am Start, so dass der bisherige Rekord aus PyeongChang 2018 geknackt wurde. Damals waren es 564 Sportler*innen aus 48 Ländern. Nicht nur die Konkurrenz ist größer geworden, auch die Leistungsdichte nimmt immer weiter zu. So gab es diesmal 27 Nationen, die Medaillen gewonnen haben; acht mehr als vor vier Jahren. Das vorab gesteckte Ziel - eine Platzierung unter den besten sechs Nationen mit Blick auf die Gesamtzahl der Medaillen - hat das Team D Paralympics erreicht. Rang vier war es in der Endabrechnung nach 79 Entscheidungen hinter China, USA und der Ukraine. 2018 war es in der Nationenwertung noch der sechste Platz und 2022 Rang fünf.

Vereinspreis „Sport mit Haltung“ 2026

Bundeskanzleramt und Deutsche Sportjugend zeichnen Sportvereine mit 18.000 Euro für demokratisches Engagement aus

Das Bundeskanzleramt und die Deutsche Sportjugend (dsj) schreiben zum zweiten Mal den Vereinspreis „Sport mit Haltung“ aus. Ausgezeichnet werden Sportvereine, die sich in besonderer Weise für demokratische Werte, Vielfalt und Menschenwürde einsetzen und antidemokratischen sowie menschenfeindlichen Tendenzen aktiv entgegentreten.

Dazu erklärt die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, Dr. Christiane Schenderlein: „Sportvereine sind tragende Säulen unserer demokratischen Gesellschaft. Sport hat die Kraft, uns zusammenzubringen. Er verbindet Generationen, Kulturen und Lebenswege. Mit dem Preis „Sport mit Haltung“ würdigen wir Vereine, die Verantwortung übernehmen und sich auch bei Gegenwind klar zu Respekt und gesellschaftlichem Zusammenhalt bekennen. Diesen Einsatz brauchen wir mehr denn je.“

Benny Folkmann, Vorstandsmitglied der dsj, unterstreicht: „Selten war es so schwer, eine stabile und klare Haltung, getragen von demokratischen Werten, zu verteidigen. Mit dem Vereinspreis „Sport mit Haltung“ zeichnen wir deshalb gemeinsam mit dem Bundeskanzleramt Sportvereine aus, die sich dauerhaft gegen Extremismus engagieren und damit Verantwortung für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft übernehmen. Demokratisch. Stabil. Zuversichtlich.“

Hintergrund zum Preis

Der Preis „Sport mit Haltung“ ist Teil des Bundesprogramms gegen Extremismus und Menschenfeindlichkeit im Sport, das seit 2023 Initiativen aus dem organisierten Sport fördert, die demokratische Kultur stärken und Hass sowie Ausgrenzung entgegenwirken. 2026 steht insbesondere das Engagement von Vereinen im Fokus, die auch unter schwierigen Bedingungen konsequent Haltung zeigen, indem sie wirksam gegen antidemokratische Vorfälle vorgehen.

Der Vereinspreis ist mit insgesamt 18.000 Euro dotiert. Die Preisgelder sind zweckgebunden für die Fortführung und Weiterentwicklung der demokratischen Wertebildung in den Vereinen. Bewerben können sich gemeinnützige Sportvereine, die Mitglied in einem Landessportbund sind und ein klar erkennbares Werteverständnis im Vereinsalltag leben. Die Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger erfolgt durch eine interdisziplinäre Jury aus Sport, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik.

Die feierliche Preisverleihung findet am 19. Mai 2026 in Berlin statt.

Bewerbungsschluss ist der 7. April 2026.

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