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5 Ringe – 5 Fragen: Berliner Abgeordnetenhaus stimmt über Olympiabewerbung ab
Wie sieht das Konzept Berlin+ aus?
Berlin setzt bei seiner Bewerbung auf Spiele im Herzen der Stadt. Die Hauptstadt selbst soll zur olympischen und paralympischen Bühne werden: mit kurzen Wegen, bestehenden Anlagen und einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit. 97 Prozent der benötigten Sportstätten sind nach Angaben des Senats bereits vorhanden.
Ein Schwerpunkt liegt im Olympiapark im Westen Berlins, wo sieben Sportarten gebündelt werden. Im Olympiastadion sind die Leichtathletikwettbewerbe geplant, direkt daneben die Schwimmwettkämpfe. Dafür soll das Olympiaschwimmstadion überdacht, erweitert und modernisiert werden – mit dem Ziel, internationalen Anforderungen zu genügen und zugleich das Angebot an Wasserflächen für die Berliner Bevölkerung zu verbessern.
In unmittelbarer Nähe zum Olympiapark ist auch das Olympische und Paralympische Dorf vorgesehen. Am Stadteingang West, zwischen den S-Bahnhöfen Westkreuz und Grunewald, soll auf rund 45 Hektar ein neues Stadtquartier entstehen. Die Athlet*innen wären dessen erste Bewohner*innen. Anschließend wird das neue Quartier an die Berliner*innen übergeben: Vorgesehen sind mindestens 2.500 bezahlbare Wohnungen sowie Grünflächen, Sport- und Begegnungsräume.
Weitere Wettkampfstätten sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt: unter anderem die Uber Arena für Handball und Judo, die Max-Schmeling-Halle für Volleyball, das Velodrom für den Bahnradsport, die Alte Försterei für Rugby sowie das Sportforum Hohenschönhausen für Fechten und Schießen. Zugleich soll der öffentliche Raum Teil der Spiele werden. Geplant sind Wettbewerbe vor dem Brandenburger Tor, urbane Sportarten auf dem Tempelhofer Feld, der Marathon entlang historischer Orte und der Triathlon an der East Side Gallery. Das Konzept setzt damit bewusst auf Bilder, die den Sport in die Stadt holen und die Menschen nah an die Spiele bringen.
Für seine Bewerbung arbeitet Berlin zudem mit Partnerstandorten zusammen. Sachsen bringt mit Leipzig erprobte Sportstätten ein, unter anderem für die Reitwettbewerbe und Kanuslalom. In Brandenburg sollen unter anderem die Kanu- und Golfwettbewerbe stattfinden. Rostock-Warnemünde und die Ostseeküste sind im Konzept als Austragungsorte für die Segelwettkämpfe vorgesehen.
Was ist über den Sport hinaus geplant?
Athlet*innen, Fans und Gäste aus aller Welt sollen Berlin nicht nur als Gastgeber, sondern als offene und kulturell vielfältige Metropole erleben. Dafür hat die Hauptstadt ein Host‑City‑Konzept entworfen, das Sport, Teilhabe und Kultur in den Mittelpunkt stellt.
Herzstück des Konzeptes ist ein Olympischer Parcours – ein urbaner Erlebnisweg vom Olympiastadion über das Berliner Zentrum bis zum Tempelhofer Feld und dem ehemaligen Flughafen. Entlang dieser Strecke sollen temporäre Orte für Bewegung, Kultur, Public Viewing und Begegnung entstehen. Ein besonderes Zeichen setzt dabei eine geplante temporäre Brücke über dem Brandenburger Tor.
Mit zentralen Momenten wie der Eröffnungsfeier auf dem Tempelhofer Feld, Medaillenfeiern am Brandenburger Tor sowie Fanzonen in den Bezirken sollen die Spiele für möglichst viele Menschen erlebbar werden – als Ereignis für die gesamte Stadt. Eine Kulturolympiade bildet dabei die inhaltliche Klammer und macht Olympische und Paralympische Spiele zu einem gemeinsamen, inklusiven Großereignis.
Wie wurden die Bürger*innen in die Planungen eingebunden?
Die Hauptstadt setzte von Beginn an auf einen offenen, dialogorientierten Beteiligungsprozess. Die Berliner*innen konnten ihre Perspektiven, Ideen und Erwartungen auf verschiedenen Wegen einbringen und die Bewerbung mitgestalten – etwa über Online-Beteiligungen, Workshops, Kieztouren und ein Bürgerforum.
Das Ergebnis dieser Beteiligung ist eine „Bürgercharta für Olympia“. Sie hält fest, wofür die Spiele stehen sollen und welchen konkreten Nutzen sie für Berlin haben müssen. Die Charta bündelt die vielen Stimmen aus der Stadt zu Handlungsempfehlungen, die in die Bewerbung eingeflossen sind – und zeichnet das Bild von alltagsnahen, inklusiven Spielen, die die Stadt spürbar voranbringen.
Hinzu kommt die erfolgreiche Volksinitiative „Die Spiele für Berlin“ des Landessportbundes Berlin. Insgesamt wurden 28.000 Unterschriften gesammelt, 8.000 mehr als erforderlich, mit dem Ziel, einen Beschluss des Abgeordnetenhauses für eine Berliner Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele zu erreichen. Dieser Beschluss soll am 21. Mai gefasst werden.
Was ist über Einnahmen und Kosten bekannt?
Für alle vier deutschen Bewerber hat der DOSB das sogenannte Games Operational Budget (GOB) kalkuliert – also jene Ausgaben, die direkt mit Planung und Durchführung der Olympischen und Paralympischen Spiele verbunden sind. Nach diesen Berechnungen bewegen sich die Kosten in einer Größenordnung, wie sie zuletzt bei den erfolgreichen Spielen von Paris 2024 erreicht wurde. Zugleich gilt: Wie schon in Paris sollen die operativen Ausgaben in allen Konzepten durch Einnahmen rund um die Spiele gedeckt werden. Realistisch ist in allen vier Fällen sogar ein Überschuss möglich.
Unabhängig davon sieht Berlin rund um die Spiele zusätzliche Investitionen von insgesamt 1,6 Milliarden Euro in Sportstätten und Verkehr vor. Der Großteil des Geldes soll aus öffentlichen Mitteln kommen und in sogenannte Legacy-Projekte fließen – also Vorhaben mit langfristigem Nutzen für die Stadtgesellschaft. Geplant ist unter anderem, 80 Sportstätten für den Breitensport zu sanieren oder zu modernisieren, darunter Schulsporthallen, Schwimmbäder und Vereinsanlagen. Weitere 440 Millionen Euro sollen in mehr Bewegung und sportliche Förderung für Kinder und Jugendliche fließen – etwa in Angebote an Ganztagsschulen, Talentförderung, zusätzliche Schwimmkurse, Sportplätze und sogenannte Bewegungsinseln in Parks.
Wie geht es weiter und was bedeutet der Beschluss des Abgeordnetenhauses für die Bewertung des DOSB?
Wie alle Bewerber muss auch Berlin sein finales Konzept bis zum 4. Juni beim DOSB einreichen. Anschließend werden die Unterlagen nach verschiedenen Kriterien bewertet – darunter sportfachliche Eignung, nationale Akzeptanz, internationale Wettbewerbsfähigkeit, Kosten und Finanzierung sowie Fragen der nachhaltigen Wirkung über die Spiele hinaus.
Auch der Beschluss des Abgeordnetenhauses fließt in die Gesamtbewertung ein. Anders als in Hamburg, KölnRheinRuhr und München kann Berlin aus rechtlichen Gründen grundsätzlich keine eigene Volksabstimmung auf den Weg bringen. Deshalb ersetzt der Beschluss des Abgeordnetenhauses in Berlin ein Referendum und belegt die politische Unterstützung des Landesparlaments für die Bewerbung.
Die endgültige Entscheidung über das deutsche Bewerbungskonzept fällt am 26. September. Dann wählt eine außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB den deutschen Kandidaten für die Olympiabewerbung.
Klare Haltung für einen offenen und vielfältigen Sport
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend (dsj) erneuern und stärken ihre gemeinsame Haltung: Der organisierte Sport steht für ein respektvolles, faires und offenes Miteinander – und widerspricht menschenverachtenden und antidemokratischen Haltungen und Handlungen weiterhin entschieden.
Mit einer überarbeiteten Version ihrer Positionierung von 2020 reagieren DOSB und dsj auf gesellschaftliche Entwicklungen und die damit entstehenden Fragen, wie Sportvereine und -verbände mit vielfältigen Spannungen umgehen können, beispielsweise mit einer bedenklichen Normalisierung antidemokratischer und menschenfeindlicher Positionen. Zugleich zeigen viele Vereine, Verbände und (junge) engagierte Haltung für ein demokratisches Miteinander – etwa durch klare Positionierungen und sichtbares Engagement.
Jasmin Bleul: Heim-EM als Abschluss einer herausragenden Karriere
Körpersprache ist ihr Metier. Aber dass sie auch ihre Worte so präzise einzusetzen weiß wie ihre Gliedmaßen, beweist Jasmin Bleul schon bei der Einstiegsfrage. Wenn sie heute auf die Person schaue, die sie war, als sie 2012 zum ersten Mal an einer Europameisterschaft im Karate teilnahm, welche Veränderung falle ihr ganz besonders auf, lautete die Frage. „Der größte Unterschied zu damals ist, dass ich gelernt habe, belastende Dinge schnell abzuhaken. Ich kann heute richtig lange leiden, ohne daran zu zerbrechen. Damals habe ich mir sehr vieles von dem zu Herzen genommen, was von außen kam. Heute weiß ich: Die Menschen, die einen kritisieren, sind zu 99 Prozent Menschen, die nicht so viel erreicht haben in ihrem Leben wie die, die sie attackieren, deshalb kann ich damit viel entspannter umgehen“, antwortet sie.
Das sind nachdenkliche Sätze, aber sie erzählen viel über die Vorzeigeathletin des Deutschen Karate Verbands (DKV), der in dieser Woche sein 50-jähriges Bestehen mit einem ganz besonderen Event feiert: der ersten Heim-EM seit 2003 in Bremen, die von Mittwoch bis Sonntag in der Eissporthalle in Frankfurt am Main stattfindet. Der Grund für den Rückblick auf ihre Karriere dürfte einleuchten: Jasmin Bleul, die am Mittwoch zur Vorrunde antritt, zwei Tage später ihren 33. Geburtstag feiert und am 23. Mai um die Medaillen mitzukämpfen hofft, wird ihre Karriere nach der EM beenden. „Ich habe das nicht an die große Glocke gehängt, aber es ist auch kein Geheimnis. Ich spiele schon länger mit dem Gedanken und finde, dass es keinen besseren Zeitpunkt gibt, als nach dem Saisonhöhepunkt aufzuhören, zu dem all meine Freunde und Familie dabei sein werden“, sagt die aus Mömbris im Landkreis Aschaffenburg stammende Sportsoldatin, die in Wiesbaden lebt, am Frankfurter Bundesstützpunkt trainiert und für den SC Judokan Frankfurt startet.
Für den DKV, der laut aktueller DOSB-Bestandserhebung mehr als 155.000 Mitglieder in rund 2.600 Vereinen vertritt, ist das Turnier eine große Chance, den japanischen Kampfsport in Deutschland noch populärer zu machen. „Der Erfolgsdruck ist hoch, wir haben am Wochenende eine ausverkaufte Halle, was für einen nicht-olympischen Sport etwas sehr Besonderes ist“, sagt Verbandspräsident Wolfgang Weigert. Rund 120 Freiwillige werden das 15 Personen umfassende Organisationsteam unterstützen. Am vergangenen Sonntag kamen zur Jubiläumsfeier rund 500 Karateka zusammen, um in der Frankfurter Leichtathletikhalle gemeinsam mit mehreren Bundestrainern und dem japanischen Großmeister Masao Kagawa am „DKV-Tag“ zu trainieren. „Außerdem sind wir die erste Sportveranstaltung in Deutschland, die von der EU über das Erasmus+ Sport-Programm direkt gefördert wird, weil wir das UN-Projekt Guardian Girls unterstützen“, sagt Wolfgang Weigert.
Jasmin Bleul erlebt in Frankfurt ihre 13. EM
51 Nationen haben für die EM gemeldet, dazu kommen Athletinnen und Athleten aus Russland und Belarus, die unter neutraler Flagge antreten. Deutschland hat alle fünf Gewichtsklassen pro Geschlecht in der Zweikampf-Kategorie Kumite besetzt, am Start sind auch Johanna Kneer (28/KJC Ravensburg/über 68 kg) und Mia Bitsch (22/Bushido Waltershausen/bis 55 kg), die bei den World Games 2025 in Chengdu (China), den Weltspielen der nicht-olympischen Sportarten, Gold gewinnen konnten. Nicht starten kann Reem Khamis (23/Teikyo Team Kaiserslautern/bis 61 kg), die Europameisterin von 2023 laboriert weiterhin an Knieproblemen, die bereits ihre Chengdu-Reise verhindert hatten, musste vor wenigen Wochen operiert werden und ist aktuell in der Reha.
Welchen Status Jasmin Bleul im DKV-Team genießt, lässt sich allein schon daran ablesen, dass sie in Frankfurt zum 13. Mal bei kontinentalen Titelkämpfen auf die Matte geht. „Natürlich bin ich die Erfahrenste in der Mannschaft und versuche, das auch an die Jüngeren weiterzugeben. In erster Linie möchte ich aber diejenige sein, die für gute Stimmung sorgt und Lockerheit reinbringt, denn das ist für mich ein ganz wichtiges Element“, sagt sie.
Um einordnen zu können, was für eine Leistung es ist, als bald 33-Jährige 13 EM-Turniere erlebt zu haben, muss man wissen, dass im Karate in jedem Jahr eine EM ausgetragen wird, und dass Jasmin nicht im Kumite antritt, sondern im Kata. Das ist ein Formenlauf, bei dem die Athlet*innen festgelegte Abfolgen von Kampftechniken gegen imaginäre Gegner ausführen, von denen es mehr als 100 gibt. „Beim Kata gibt es zwar auch viele Verschleißerscheinungen am Körper, aber das Verletzungsrisiko ist deutlich geringer als im Kumite. Ich bin glücklicherweise von schweren Blessuren verschont geblieben und konnte deshalb bis auf 2020, als die EM wegen Corona abgesagt wurde, in jedem Jahr starten“, sagt Jasmin.



