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Sportdeutschland-News

„Der Safe Sport Code bleibt ein lernendes Regelwerk“

DOSB: Maike, Florian, ihr seid im DOSB wahrscheinlich am tiefsten mit der Thematik vertraut. Wie lautet euer erstes Fazit nach knapp zwei Jahren Safe Sport Code?

Florian Pröckl: Der Safe Sport Code ist im organisierten Sport angekommen. Ein großer Teil der Mitgliedsorganisationen hat sich inzwischen intensiv mit der Einführung im eigenen Verband befasst. Eine Reihe von Verbänden hat den Code bereits durch die eigene Mitgliederversammlung verabschieden lassen, zahlreiche weitere werden voraussichtlich im kommenden Jahr folgen. Damit zeichnet sich ab, dass viele Organisationen den Safe Sport Code bereits deutlich vor Ablauf der von den Mitgliedsorganisationen selbst beschlossenen Umsetzungsfrist Ende 2028 implementieren werden. 

Maike Herrlein: Das ist aus unserer Sicht ein guter Zwischenstand. Man darf nicht vergessen, dass viele Verbände nicht jedes Jahr Mitgliederversammlungen durchführen, in denen die notwendigen Satzungs- und Ordnungsänderungen beschlossen werden können. Gleichzeitig ist die Einführung des Safe Sport Codes auch mehr als ein formaler Beschluss: Zuständigkeiten sind zu klären und die nach dem Code vorgesehenen Strukturen zu schaffen, damit Verfahren durchgeführt werden können. Vor diesem Hintergrund sind wir mit der bisherigen Entwicklung sehr zufrieden.   

Gab es Entwicklungen, die euch überrascht haben oder mit denen ihr vorher so nicht gerechnet hättet?

Florian: Überrascht hat uns, wie groß das Interesse bei den Verbänden auf Landesebene und teilweise sogar bei den Vereinen bereits ist. Wir sprechen seit der ersten Veröffentlichung des SSC von einem Dekadenprojekt: Der Code soll schrittweise oder kaskadenartig von oben nach unten in die unterschiedlichen Ebenen des organisierten Sports hineinwirken. Eine flächendeckende Einführung auf Ebene der Landesverbände ist daher bewusst kein kurzfristiges Ziel. Und die Vereine kommen noch deutlich später. Gerade auf Vereinsebene ist es aus unserer Sicht ohnehin deutlich wichtiger, dass dort die Prävention funktioniert. Dass Schutzkonzepte vorhanden sind, Verantwortliche für das Thema sensibilisiert und qualifiziert werden und funktionierende Melde- und Beratungswege bestehen. Ein eigenes Sanktionssystem aufzubauen, um Strafen nach Fällen von Gewalt im eigenen Verein aussprechen zu können, erfordert dagegen Ressourcen, die viele Vereine nicht haben. Diese können und müssen aber auch nicht alle Vereine selbst vorhalten, wenn sie den Safe Sport Code umsetzen wollen. Denn hierfür müssen wir externe Strukturen schaffen, auf die Vereine bei der Durchführung von Untersuchungs- und Disziplinarverfahren zurückgreifen können. Der Aufbau dieser Strukturen wird allerdings noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Umso bemerkenswerter ist es, wie viele Vereine aber auch jetzt schon bereit sind, die Ressourcen trotzdem zu schaffen, und wie engagiert sie generell bei der Bekämpfung von interpersonaler Gewalt sind.

Warum war es notwendig, bereits vergleichsweise früh einen ersten Evaluierungsprozess anzuschieben und abzuschließen?

Maike: Die wichtigsten Erkenntnisse, ob etwas Neues funktioniert oder ob es an der ein oder anderen Stelle noch Anpassungen bedarf, erhält man regelmäßig erst im Prozess der Umsetzung, mit anderen Worten, wenn sich Personen mit dem Regelwerk intensiv beschäftigen. Etwas Vergleichbares zum Muster-Safe-Sport-Code gab es im deutschen Sport in dieser Form bislang nicht. Deswegen war klar, dass wir bestimmte Fragen erst dann wirklich beantworten können, wenn die Mitgliedsorganisationen mit der konkreten Implementierung beginnen und vielleicht sogar bereits erste praktische Erfahrungen mit dem Regelwerk sammeln konnten. Genau diese Erfahrungen wollten wir frühzeitig aufnehmen. Uns ging es darum zu schauen: Welche Regelungen funktionieren gut? Wo bestehen Verständnisfragen? Und wo zeigen sich bei der praktischen Umsetzung Punkte, die präzisiert oder angepasst werden sollten?

ZukunftsArena im DOSB: Wo der Wille zu Veränderung greifbar wird

Allzu oft kommt es nicht vor, dass Menschen sich über einen deutlichen Zuwachs an Arbeit freuen. Aber Michaela Röhrbein hinterließ am Donnerstagnachmittag im Haus des Sports an der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise den ehrlichen Eindruck, mit den Resultaten der „ZukunftsArena 2026“ durchaus zufrieden zu sein. „Wir haben jetzt eine volle Agenda, aber wir werden uns gemeinsam mit euch darum kümmern. Wir werden Schritt für Schritt gemeinsam vorangehen und schauen, welche Veränderungen uns unseren Zielbildern für Sportdeutschland 2035 tatsächlich näherbringen – und wie wir sie gemeinsam verantworten und in die Umsetzung bringen können“, rief die Vorständin für Sportentwicklung im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) den rund 75 Teilnehmenden – zum größten Teil aus den Führungsebenen der Mitgliedsorganisationen –, die sich im DOSB-Hauptsitz zu so intensiven wie wichtigen Diskussionen getroffen hatten, zu.

Auf der DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember 2025 wurden sechs messbare Ziele für Sportdeutschland 2035 verabschiedet. Sie bilden als langfristiger Orientierungsrahmen die Grundlage dafür, den organisierten Sport angesichts tiefgreifender gesellschaftlicher, demografischer, technologischer und ökologischer Veränderungen zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Seitdem wurden die Ausgangslagen für alle sechs Ziele umfassend analysiert, in zwei Calls mit den Mitgliedsorganisationen diskutiert und daraus sechs große Hebel für die nächsten Entwicklungsschritte abgeleitet. Und weil die Ziele nur erreicht und die Hebel umgelegt werden können, wenn in Sportdeutschland möglichst viele mitziehen, soll in regelmäßigen Diskussionsformaten an ihrer gemeinsamen Weiterentwicklung gearbeitet werden. Die ZukunftsArena markierte damit den nächsten Schritt einer beteiligungsorientierten Entwicklung von der Analyse über strategische Richtungsfragen und Zukunftsbilder hin zu konkreten Maßnahmen. 

Michaela Röhrbein hält im Ziele-2035-Prozess die Fäden zusammen. Die ZukunftsArena wurde vom gesamten DOSB-Vorstand getragen und gemeinsam mit dem Ziele-2035-Kernteam aus Alexander Best mit Gesa Krensing, Miriam Seib und Max Brenker vorbereitet. Vorstand und Kernteam hatten bewusst zu ergebnisoffenen Diskussionen eingeladen, aus denen konkrete Handlungsaufträge entstehen sollten. Genau dieser Geist war schon am Mittwochabend spürbar. In einem energiegeladenen und inspirierenden Impulsvortrag blickte Dr. Arne Göring, Sportsoziologe und Leiter der Zentralen Einrichtung für Sport und Gesundheit an der Georg-August-Universität Göttingen, auf die gesellschaftliche Entwicklung bis 2035 voraus. „Smartphones und KI sind weiterhin die größten Umwälzungen, die wir erleben werden. Die Digitalität ist der Katalysator der De-Institutionalisierung des Sports“, so seine Prognose.

Ronny Rauhe ist neuer Staatsminister für Sport und Ehrenamt

Es war eine Personalie, die viele überraschte. Am Donnerstag um 14.30 Uhr trat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Bundeskanzleramt in Berlin vor die Medien, um die Neubesetzung einer Position zu verkünden, die seit Ende Juli vakant war. Nachfolger von Christiane Schenderlein, die vom Bundeskanzler als Parlamentarische Staatssekretärin ins Bundesgesundheitsministerium versetzt worden war, und damit neuer Staatsminister für Sport und Ehrenamt wird Ronald Rauhe. Der 44 Jahre alte Berliner, der im Kanurennsport zwei olympische Goldmedaillen und insgesamt 16 WM-Titel gewinnen konnte, übernimmt das nach der Übernahme der aktuellen Regierungskoalition aus CDU und SPD im Frühjahr 2025 neu geschaffene Amt von der CDU-Politikerin Schenderlein, deren Demission in den vergangenen Wochen von vielen Seiten – auch aus dem DOSB – ebenso deutlich kritisiert worden war wie die Hängepartie bei der Neubesetzung.

„Mit Ronald Rauhe als neuem Minister für Sport und Ehrenamt möchte die Bundesregierung ein Zeichen setzen, dass wir den deutschen Sport als ein wichtiges Aufgabengebiet sehen. Gleichzeitig übernimmt er auch die Aufgabe, das Ehrenamt in Deutschland zu stärken. Ich bin sehr sicher, dass er der richtige Mann sein wird, auch hier im Bundeskanzleramt diesen großen Bereich des Sports und des Ehrenamts in unserer Republik zu stärken, zu unterstützen und auch jederzeit den Zugang zum Bundeskanzler zu haben. Ich freue mich sehr und danke noch einmal für die Bereitschaft, diese Aufgabe zu übernehmen“, sagte Merz, der Rauhe schon in einem vor der Pressekonferenz veröffentlichten Instagram-Post in seinem Team willkommen geheißen hatte.

Rauhes Gefühlswelt: stolz, glücklich, ein bisschen überwältigt

Der neue Staatsminister verglich seine emotionale Befindlichkeit mit dem Gewinn seiner ersten olympischen Medaille. „Ich war 18 Jahre alt, ich war stolz, ich war glücklich. Natürlich auch ein bisschen überwältigt. Aber eins wusste ich schon damals sehr genau: Diese Medaille gehört mir nicht alleine. Dahinter standen Trainerinnen und Trainer. Meine Familie, Ehrenamtler und ein Land, das mir die Möglichkeit gegeben hat, diesen Traum zu leben. Heute erlebe ich wieder einen Moment, der mich sehr berührt. Nicht als Athlet, sondern ab heute als Staatsminister für Sport und Ehrenamt. Vielen Dank für dieses Vertrauen“, sagte er.

Drei Dinge lägen ihm besonders am Herzen: Er wolle die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele mit voller Kraft vorantreiben. Deutschland solle wieder zu den erfolgreichsten Sportnationen der Welt gehören und deshalb die beschlossene Spitzensportreform konsequent weiter vorantreiben. Und er werde dafür kämpfen, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen Spitzenleistungen entstehen können, sicher und mit starken Trainerinnen und Trainern sowie Ehrenamtlichen, die mehr Unterstützung und vor allem volle Wertschätzung erhalten sollen. „Ich weiß, es liegen große Aufgaben vor uns, aber wenn ich eins im Sport gelernt habe, ist es, dass man große Titel niemals allein erreicht. Man erreicht sie gemeinsam. Sport und Ehrenamt können unser Land stärker machen, und genau dafür möchte ich arbeiten“, sagte er.

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