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Sportdeutschland-News

Sport im Ganztag: Was Sportvereine jetzt wissen sollten

Seit dem 1. August 2026 ist bundesweit der Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung in den Grundschulen in Kraft. Dieser Anspruch gilt zunächst nur für Kinder der ersten Klasse. Bis zum Schuljahr 2029/30 wird er auf alle Kinder der Klassen 1 bis 4 ausgeweitet.

Das bedeutet: Sehr viele Kinder verbringen in Zukunft noch mehr Zeit in der Schule. Nach Angaben des Familienministeriums werden schon heute rund 1,9 Millionen Kinder im Grundschulalter ganztägig entweder in einer Ganztagsschule oder einem Hort betreut. Die Inanspruchnahme liege damit bei 57 Prozent, sei aber regional sehr unterschiedlich.

Im Rahmen des Ganztags hat ein Kind einen Anspruch auf eine Betreuung von acht Stunden pro Tag, inklusive Unterricht. Also zum Beispiel eine Betreuungszeit von 8 bis 16 Uhr, in denen Schulen nun verpflichtet sind, Betreuungsangebote zu organisieren. Der eigentliche Unterricht umfasst dabei beispielsweise die Zeit von 8 bis 12 Uhr und die Betreuung außerhalb des Unterrichts die Zeit von 12 bis 16 Uhr.

Für Sportvereine eröffnet sich damit eine große Chance.

Denn Sportvereine können Kooperationen mit Grundschulen abschließen, um Kindern am Nachmittag im Ganztag eine hochwertige Betreuung durch sportliche Angebote zu bieten. Der Vorteil für Sportvereine besteht darin, dass sie nicht darauf warten müssen, dass Kinder den Weg zu ihnen in den Verein finden, sondern dass sie mit ihren Angeboten dahingehen können, wo die Kinder sowieso schon sind: in die Schule.

Gleichzeitig können Vereine die Angebote auch dazu nutzen, um Werbung zu machen für das Vereinsangebot außerhalb des Ganztags. Grundsätzlich können Sportvereine im Ganztag einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Kinder schon in einem frühen Alter für Sport und Bewegung zu begeistern. Das frühe Heranführen an den Sport erhöht erwiesenermaßen die Chancen, dass sie auch als Jugendliche und Erwachsene sportlich aktiv bleiben und ein insgesamt gesünderes Leben führen. Außerdem kann eine erfolgreiche Kooperation mit einer Schule auch einen Imagegewinn für den Sportverein bedeuten, wenn er als verlässlicher Partner im Bildungswesen wahrgenommen wird.

Um diese Chancen als Sportverein nutzen zu können, stellen sich ein paar wichtige Fragen: Wie kommt mein Verein eigentlich in den Ganztag? Was braucht es dazu und was müssen wir dabei beachten? Und wie werden die Angebote finanziert?

Diese FAQs geben einen Überblick über diese und weitere Fragen.

„Sport ist Bildung, er fördert die ganzheitliche Entwicklung“

DOSB: Warum hat der DFB im September 2025 das „Jahr der Schule“ ins Leben gerufen?

Prof. Dr. Silke Sinning: Wir benötigen einen höheren Stellenwert für Sport und Bewegung - insbesondere in der Schule. Nach Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO sollten sich Kinder und Jugendliche mindestens eine Stunde am Tag moderat sportlich betätigen. Nicht einmal 30 Prozent erreichen diese Vorgabe. Laut Erhebung der Kaufmännischen Krankenkasse weisen 300.000 Menschen im Alter unter 18 Jahren motorische Entwicklungsstörungen auf, das ist ein Anstieg um mehr als 60 Prozent seit 2008. Wir müssen also dringend etwas tun. Darüber hinaus sorgt der gesetzliche Anspruch auf Ganztagsbetreuung für veränderte Rahmenbedingungen. Vor diesem Hintergrund haben wir das Jahr der Schule als Schwerpunkt im DFB und seinen Landesverbänden gesetzt. Sport ist Bildung, er fördert die ganzheitliche Entwicklung. Er sollte daher nicht als Nebensache abgetan werden. Das haben viele andere Sportarten auch längst erkannt.

Welche Ziele verfolgt ihr mit der Initiative?

Das Jahr der Schule soll helfen, für das Thema zu sensibilisieren und Impulse zu setzen. Wir wissen, dass wir in einem Jahr nicht die Welt verändern können. Es wartet ein langer Weg. Den ersten Schritt haben wir gemacht. Wichtig ist dabei: Es geht uns nicht allein um Fußball, es geht generell darum, Kinder und Jugendliche an Schulen verstärkt in Bewegung und zum Sport zu bringen. Es ist auch keine Initiative mit erhobenem Zeigefinger. Wir wollen konstruktiver Partner der Schulen und der Länder sein. Ein wichtiger Schlüssel sind dabei unsere knapp 23.500 Fußballvereine.

Das Gesicht der Entwicklung der deutschen Hockey-Damen

Die Frage, warum sie diesen ganzen Aufwand noch immer auf sich nimmt, hat sich Lena Micheel schon das eine oder andere Mal gestellt. Seit Februar steckt sie sehr viel Energie in ihr Rechtsreferendariat, die ersten beiden Stationen an Hamburger Amtsgerichten hat sie hinter sich. „Es macht bislang sehr viel Spaß, die Themen holen mich ab“, sagt die 28-Jährige. Nach allem, was man so hört, ist ein Jurastudium mit anschließender praktischer Ausbildung anstrengender als ein Vollzeitjob in vielen anderen Branchen. Doch Zeit zum Ausruhen gibt es für Lena nicht, denn sie hat ein Hobby, das einen zweiten Hauptberuf ausfüllen würde, aber bei weitem nicht wie ein solcher vergütet wird. Sie ist Hockey-Nationalspielerin und in diesen Tagen mit den deutschen Damen in Belgien gefragt. Dort, in der Belfius Hockey Arena in Wavre, finden, in Co-Gastgeberschaft mit Amstelveen in den Niederlanden, die Feld-Weltmeisterschaften statt (siehe Infobox). 

Und dieses Turnier ist ein Teil der Antwort auf die eingangs gestellte Frage. „Mir macht es einfach so viel Spaß, dass sich der Aufwand noch immer lohnt“, sagt die Mittelfeldspielerin, „es bedeutet mir alles, weiterhin bei der Nationalmannschaft sein zu können.“ Hockey, heißt es weithin oft, sei ein akademischer Sport, in dem die Besten früh aufhören, weil die Aufwandsentschädigung keine Rechnungen zahlt und der Übergang ins Berufsleben deshalb eher früher als später gelingen muss. Im Herrenbereich mag sich das mittlerweile ein Stück weit verändert haben, bei den Damen stimmt es in den meisten Fällen weiterhin. Auch deshalb ist Lena, die in Berlin aufwuchs und 2016 vom TuS Lichterfelde der besseren sportlichen Aussichten wegen zum Uhlenhorster HC in die Hockey-Hochburg Hamburg wechselte, mit ihren 28 Jahren neben Torhüterin Nathalie Kubalski (32/Düsseldorfer HC) die einzige Spielerin im Aufgebot von Bundestrainerin Janneke Schopman, die bereits vor acht Jahren im Kader für die WM in London stand.

Seit 2018 hat Lena jedes große Turnier gespielt

Weil die „Danas“, wie sich die deutschen Hockey-Damen nennen, seit 2018 eine erstaunliche Metamorphose durchlaufen haben, lohnt ein Gespräch mit der stets bedächtigen und reflektierten Kreativspielerin doppelt. Weil sie ihre Worte sorgfältig abzuwägen, gleichzeitig aber Prozesse klar zu benennen weiß. Und weil auch sie eine Wandlung erlebt hat, die beispielhaft dafür steht, wie lebensprägend Leistungssport sein kann. „Natürlich bin ich sehr stolz und dankbar dafür, dass ich seit 2018 jedes große Turnier spielen durfte“, sagt sie, „man nimmt das im Alltag manchmal gar nicht so wahr, aber wenn ich darüber nachdenke, dann kann ich von diesen Erfahrungen extrem zehren. Ich bin jetzt in der Lage, dass ich als erfahrene Spielerin einerseits Dinge weitergeben darf, aber auch die Chance bekomme, mich Neuem zu öffnen, und das bringt mir mit dem Team gerade sehr viel Spaß“, sagt sie. 

Das war allerdings, so ehrlich möchte sie sein, nicht von Beginn an so. Nach den Olympischen Spielen 2024 in Paris gab es einen großen Umbruch im deutschen Damenteam. Bundestrainer Valentin Altenburg wurde durch die Niederländerin Schopman ersetzt, eine Reihe an Leistungsträgerinnen, mit denen Lena Micheel aufgewachsen war, erklärte ihr Karriereende. „Dass sich gewisse Personalien verändern würden, war abzusehen, aber dass es so krass werden würde, hat mich schon mitgenommen. Ich hatte Probleme, mich ganz offen in die neue Kampagne zu stürzen, und brauchte Zeit, bis ich Vertrauen in das Projekt geschöpft habe“, sagt Lena, die zudem auch noch innerhalb Hamburgs den Verein gewechselt hatte und auch beim Großflottbeker THGC einen Neustart wagte. Glücklicherweise sei sie auf eine Bundestrainerin getroffen, „die sehr offen war und mir diese Zeit gegeben hat. 2025 war ein toughes Jahr, aber ich bin froh, dass ich diesen Weg gehen konnte, denn das sehr junge, neue Team holt mich total ab“, sagt sie. 

WM 2018 als Startschuss für die Abwärtskurve

Die Identitätsfindung eines Sportteams ist immer wieder ein herausfordernder, komplexer, aber auch intensiver und hochspannender Prozess. Lena Micheel erinnert sich an die WM 2018, als sie, damals 20 Jahre alt und im ersten Jahr im A-Kader, in die Gruppe hineinrutschte, die zu einem großen Teil noch aus den Spielerinnen bestand, die bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 Bronze und die bis dato letzte Olympiamedaille für das deutsche Damenhockey gewinnen konnten. „Ich war zwar noch nie schüchtern, aber mit meinen ganzen Idolen eine WM spielen zu dürfen, hat mich doch nachhaltig beeindruckt“, sagt sie rückblickend. Als Stürmerin, die sie davor und danach nie war, sollte sie „einfach mal machen“. Die Außenwirkung des Teams, das der Belgier Xavier Reckinger nach Rio übernommen hatte, um es auf die nächsten Spiele in Tokio vorzubereiten, habe sie kaum wahrgenommen. „Für mich war es unglaublich, neben Topstürmerinnen wie Marie Mävers, Lisa Altenburg und Charlotte Stapenhorst zu spielen, damit hatte ich genug zu tun“, sagt sie. 

Dennoch ordnet Lena die WM 2018 als „Startschuss für die Abwärtskurve“ ein, in die das deutsche Damenhockey hineinschlitterte. „Dort ist das Problem mit den Do-or-die-Spielen entstanden, das uns irgendwie bis Paris 2024 begleitet hat“, sagt sie mit Blick auf das Viertelfinalaus gegen Spanien. In der Gruppenphase, die die Deutschen ohne Punktverlust absolvierten, hatte man die Ibererinnen noch souverän 3:1 bezwungen und damit die neu eingeführte Viertelfinalqualifikation vermieden. In der Runde der letzten acht spielte dann zwar nur eine Mannschaft, das einzige Tor jedoch schossen die Spanierinnen. „Uns war mindestens das Halbfinale zugetraut worden, und auch im Team selbst waren die Erwartungen hoch. Diese Niederlage war ein echter Niederschlag“, erinnert sie sich. 

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