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Sportdeutschland-News

Die herausforderndsten Zeiten in 20 Jahren DOSB

Es liegt in der Natur der Sache, dass der DOSB verschiedensten Konfliktfeldern ausgesetzt ist: Da sind nicht nur 103 Mitgliedsorganisationen mit durchaus unterschiedlichen Interessen, Anliegen und Erwartungen unter einen Hut zu bringen, er sieht sich auch verschiedenen Ansprüchen aus Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit ausgesetzt. Er verantwortet Spitzen- und Breitensport, Haupt- und Ehrenamt, er hat viele recht unterschiedliche, für den Sport wichtige Themen zu bearbeiten: unter anderem Gesundheit, Integration und Inklusion, Umwelt und Klima, Sportstätten, Bildung, Schutz vor Gewalt und natürlich den Leistungssport bis zu Olympischen Spielen - es ist eine breite Palette, die nicht immer konfliktfrei ist und durchaus zu Diskussionen über die strategische Ausrichtung führt.

Kein Wunder, dass ein so breit aufgestellter und öffentlich stark wahrgenommener Verband in 20 Jahren auch einige Krisen zu meistern hatte, zumal er nicht nur sportpolitische Aufgaben erfüllt, sondern auch als gesellschaftlich bedeutender Akteur an Transparenz, Partizipation und Reformfähigkeit gemessen wird. Legt man die veröffentlichte Darstellung zugrunde, hat der DOSB wohl im Jahr 2021 seine größte interne Krise erlebt, als der damalige DOSB-Präsident Alfons Hörmann und die Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker nach anonymen Vorwürfen von Mitarbeitenden aus ihren Ämtern schieden. Die Angelegenheit führte nicht nur intern und extern zu massiver Kritik, sondern auch zu Veränderungen, die unter anderem in einer völlig neuen Verbandsspitze mündeten. 

Legt man die neutrale Definition von Krisen zugrunde, dass nämlich eine Krise ein kritischer Zustand ist, der eine Bedrohung für Menschen, Gemeinschaften oder Organisationen darstellt, könnte durchaus auch die Corona-Pandemie für den DOSB und den gesamten deutschen Sport die größte und gefährlichste Krise gewesen sein. Die Mitgliederzahlen in den Vereinen gingen zurück, es gab finanzielle Unsicherheiten, es war organisatorisch eine riesige Herausforderung - der gesamte organisierte Sport und natürlich auch der DOSB befand sich über Monate, gar Jahre im Krisenmodus.

Deshalb ist das mit der Einordnung auch gar nicht so einfach. Womöglich hat der ganz junge DOSB bereits kurz nach der Fusion von Nationalem Olympischem Komitee (NOK) und Deutschem Olympischem Sportbund (DSB) 2006 bereits seine schwerste Krise gemeistert, nämlich eine kritische Finanzlage in Verbindung mit deutlich hörbaren Stimmen, die ohnehin nicht glücklich waren über das Zusammenlegen der beiden Organisationen zum nun gemeinsamen Dachverband. Über die Jahre hat sich nicht nur die Finanzlage stabilisiert, sondern die beiden Verbände sind auch zusammengewachsen.

Und natürlich waren im neuen Dachverband Krisen zu meistern nach den gescheiterten Bewerbungen um Olympische und Paralympische Spiele für München 2022 (Bürgerentscheid 2013) und Hamburg 2024 (Referendum 2015). Umso besser, dass nun eine erneute Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland immer mehr an Fahrt aufnimmt und die Begeisterung dafür sowohl im Sport, in der Politik, in der Wirtschaft und vor allem in der Bevölkerung wächst.

Auch das Abschneiden deutscher Teams bei Olympischen Spielen führt immer wieder zu kleineren oder größeren kritischen Diskussionen, zum Beispiel nach den Sommerspielen Rio 2016 oder Tokio 2021 oder auch jüngst nach den Winterspielen in Italien. DOSB und Politik sind sich einig, dass es tiefgreifende, strukturelle Veränderungen braucht, um den deutschen olympischen Spitzensport zurück in die Erfolgsspur zu bringen.  

Letztlich hat der DOSB aber all seine Krisen immer gemeistert und ging gestärkt aus ihnen hervor, wie zum Beispiel aus der Corona-Krise. So meldete er nach wirklich schwierigen Jahren im Jahr 2025 mit mehr als 29 Millionen Mitgliedschaften einen neuen Rekordwert.  

„Integration braucht Räume, Vertrauen und Perspektiven“

Mit unserer IdS-Interviewreihe geben wir 2026 den Menschen eine Stimme, die „Integration durch Sport“ täglich mit Leben füllen - und zeigen, warum das Bundesprogramm für den organisierten Sport und unsere Gesellschaft unverzichtbar ist. Teil 2 mit Kristjana Schultchen, Programmleitung für das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ im Hamburger Sportbund.

DOSB: Welche Rolle haben die Programmleitungen im Bundesprogramm „Integration durch Sport“? 

Kristjana Schultchen: Die Programmleitungen sind das verbindende Element zwischen der bundesweiten Strategie des Programms und der konkreten Umsetzung in den Bundesländern. Unsere Aufgabe ist es, die strategische Ausrichtung zu sichern, Entwicklungen zu steuern und Integrationsarbeit im Breitensport langfristig strukturell zu verankern. Wir schaffen dafür passende Rahmenbedingungen, analysieren Bedarfe, entwickeln Förderlogiken weiter und bauen strategische Kooperationen auf.

Gleichzeitig vertreten wir das Programm gegenüber Politik, Verwaltung und zivilgesellschaftlichen Partner*innen und machen sichtbar, welchen Beitrag der organisierte Sport für gesellschaftlichen Zusammenhalt und gleichberechtigte Teilhabe leistet.

Was sind die zentralen Schwerpunkte deiner Arbeit?

In meiner Arbeit geht es darum, den organisierten Sport in Hamburg dabei zu unterstützen, mit gesellschaftlichen Veränderungen Schritt zu halten und Teilhabe für möglichst viele Menschen zu ermöglichen. Ein Schwerpunkt liegt aktuell darauf, die Rolle und Leistungen von IdS in Hamburg klar zu positionieren. In einem Umfeld, das von sozialen Ungleichheiten, migrationspolitischen Debatten und zunehmender Polarisierung geprägt ist, ist es wichtig, den konkreten Beitrag des Sports zu Teilhabe, Zusammenhalt und demokratischer Kultur deutlich zu machen. Integration kann nur nachhaltig wirken, wenn die realen Herausforderungen der Vereine berücksichtigt werden. Viele stehen unter Druck - durch begrenzte Ressourcen, veränderte Ehrenamtsstrukturen und steigende soziale Anforderungen. Programmarbeit muss deshalb so gestaltet sein, dass sie für Vereine anschlussfähig bleibt und sie strukturell stärkt. Ziel ist es, Integration nicht nur über einzelne Angebote umzusetzen, sondern dauerhaft in Vereinsstrukturen zu verankern.

Gibt es regionale Unterschiede, wie „Integration durch Sport“ umgesetzt wird und falls ja, welche?

Ja. Das Programm verfolgt gemeinsame Ziele, ist aber bewusst so angelegt, dass es an unterschiedliche Realitäten angepasst werden kann. Hamburg ist stark sozialräumlich geprägt. Einkommensarmut und eingeschränkte Teilhabe konzentrieren sich auf bestimmte Quartiere - das zeigt sich auch im Sport.

Vereine in benachteiligten Stadtteilen stehen häufiger unter Druck, etwa durch Überlastung im Ehrenamt oder fehlende Ressourcen. Gleichzeitig haben sie eine besonders wichtige stabilisierende Funktion für Begegnung und Engagement. Unsere Programmarbeit setzt deshalb gezielt dort an, wo Unterstützung benötigt wird. Diese lokale Anpassungsfähigkeit ist eine zentrale Stärke des Programms.

Miriam Welte wird DOA-Vorsitzende

Nachdem die langjährige Vorsitzende der Deutschen Olympischen Akademie (DOA), Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper, im vergangenen Jahr ihr Amt aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt hat, ist ihre Nachfolge geklärt: Miriam Welte, Bahnrad-Olympiasiegerin in London 2012 und Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), übernimmt mit sofortiger Wirkung den Vorsitz der Bildungseinrichtung im Haus des Sports in Frankfurt.

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