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„Der DOSB wird oft als der deutsche Arm des IOC wahrgenommen“
Seit sie während der Wendejahre 1989/90 ihr Volontariat beim Münchner Merkur absolvierte, ist Elisabeth Schlammerl, die in Journalistenkreisen nur Elli genannt wird, im Sportjournalismus unterwegs. Zunächst gut zehn Jahre als Redakteurin beim Merkur, anschließend viele Jahre als feste freie Reporterin für die FAZ und andere Medien, beschäftigte sich die 63-Jährige neben Fußball und Wintersport auch gern mit internationalen Multisport-Events. Seit 2017 ist die Münchnerin, die als Co-Autorin mehrere Sportbiografien schrieb, auch im Präsidium des Verbands Deutscher Sportjournalisten (VDS) tätig, aktuell als 1. Vizepräsidentin. Für unsere Serie „20 Jahre DOSB“, die bis zum Jubiläum am 20. Mai wöchentlich Themen aus dem Kosmos des Dachverbands des deutschen Sports beleuchtet, nimmt sie gewohnt kritisch und dennoch wohlwollend den Werdegang des DOSB unter die Lupe.
DOSB: Elli, kannst du dich daran erinnern, wann du das erste Mal bewusst beruflich mit Sportpolitik in Berührung gekommen bist?
Elisabeth Schlammerl: Oh, das muss zu Beginn meiner FAZ-Zeit Anfang der 2000er-Jahre gewesen sein. Damals hatte ich ein Interview mit Manfred von Richthofen, dem letzten Präsident des Deutschen Sportbundes vor der Fusion mit dem Nationalen Olympischen Komitee zum DOSB. Ich hatte mich bis dahin aber nicht wirklich mit den Institutionen in der deutschen Sportpolitik beschäftigt. An das Gespräch habe ich keine lebhaften Erinnerungen mehr, aber es ging sicher um die Fusion, die damals Manfred von Richthofen ja forcierte.
Die Fusion, die du ansprichst, war im Mai 2006. Welche Erinnerungen hast du daran?
Ich weiß noch, dass viel darüber diskutiert wurde, ob die Entscheidung der Zusammenlegung richtig ist. Aber auch in der Zeit hatte ich nicht allzu viel mit Sportpolitik zu tun, dafür gab und gibt es bei der FAZ Fachleute. Mein Kontakt zum DOSB intensivierte sich erst, als Alfons Hörmann Präsident wurde. Ihn kannte ich aus dem Deutschen Skiverband, dadurch hatten wir eine Verbindung. Und spätestens seit meinem Einstieg in das VDS-Präsidium habe ich viel mit dem DOSB zu tun.
Wie hat sich deine Wahrnehmung des Dachverbands des deutschen Sports verändert? Wofür steht der DOSB in deinen Augen, was sind unsere wichtigsten Aufgaben?
Ganz eindeutig, sich als Gegenpol zur Politik um die Förderung des Leistungs- und Breitensports zu kümmern. Ich glaube, das müsste der DOSB oftmals noch deutlicher tun, als er es macht. Durch meine Arbeit im VDS habe ich allerdings mehr Einblicke hinter die Kulissen und kann auch ein bisschen verstehen, dass das nicht immer ganz einfach ist. Man ist als Verband eben abhängig vom Geldgeber, da kann man vielleicht nicht immer so agieren, wie man es sollte.
Wo, deinem Eindruck nach, tut der DOSB das nicht?
Der DOSB müsste sich stärker für seine Athletinnen und Athleten einsetzen. In den vergangenen Monaten gab es einige Vorfälle - ich erinnere da ans Turnen, den Modernen Fünfkampf oder jetzt an Eisschnelllauf und Skibergsteigen -, bei denen ich mir ein klareres Eingreifen des DOSB gewünscht hätte. Mir ist bewusst, dass es die Verbandsautonomie gibt, aber der Eindruck, dass die Sportlerinnen und Sportler manchmal allein gelassen werden, ist nicht zu leugnen. Außerdem müsste es in der Sportförderung deutlich schneller vorangehen. Es wird schon so lange über ein Sportfördergesetz diskutiert, dass man kaum noch glaubt, dass es wirklich kommt. Dass wir es brauchen, zeigen die zunehmend ausbleibenden Erfolge bei Olympischen Spielen. Und da wäre eine sichtbarere Führung durch den Dachverband sicherlich hilfreich.
Wie beurteilst du aus Sicht einer Journalistin den kommunikativen Auftritt des DOSB?
Grundsätzlich als durchaus gut. Während der Olympischen Spiele macht ihr manchmal schon zu viel. Ich bin aber der Meinung, dass es insbesondere nach den Spielen gern etwas offensiver sein könnte, da habe ich manchmal den Eindruck, dass der DOSB etwas abtaucht. Man soll die Menschen auch nicht nerven, aber etwas mehr Sichtbarkeit abseits der Großereignisse könnte nicht schaden.
Sein Beruf und seine Berufung: Netzwerken für den Sport
Ein wenig müde blinzelt Marc Zwiebler in die Kamera, als er sich zum digitalen Gespräch aus Berlin meldet. Als Vater drei Jahre sowie drei Monate alter Kinder, der eine eigene Firma führt, sind kurze Nächte Standard für den 42-Jährigen. Aber was sind schon Äußerlichkeiten gegen das, was ein Mensch an intrinsischer Motivation auszustrahlen in der Lage ist! Und dass er da viel zu bieten hat, daran lässt der Mann, der viele Jahre die deutsche Nummer eins im Badminton war und Deutschland in der schnellsten Rückschlagsportart der Welt dreimal bei Olympischen Spielen vertrat, keinen Zweifel. Die Energie, mit der sich Marc Zwiebler für Zukunftsthemen begeistert, wirkt ansteckend.
Anlass des Gesprächs war die Serie, in der wir seit Jahresbeginn monatlich die aktuell zwölf Menschen große Gruppe der Persönlichen Mitglieder im DOSB beleuchten. Aber sehr schnell wird klar, dass der in Bonn geborene Wahl-Berliner den Blick über den Rand der Sportblase hinaus nicht nur bevorzugt, sondern auch als das größte Bonuspaket betrachtet, das er seit nunmehr dreieinhalb Jahren in die Verbandsarbeit einbringen kann. „Ich glaube, dass das Potenzial bei den Persönlichen Mitgliedern genau darin liegt, neue Perspektiven zu eröffnen, die über das Sportsystem hinausgehen. Wir alle haben unsere Netzwerke, die wir nutzen können, um Inhalte, die für den DOSB und den Sport in seiner Gesamtheit wichtig sind, außerhalb des Sports zu verbreiten“, sagt er.
Nach dem Karriereende suchte er bewusst Abstand vom Sport
Womit wir dann auch schon mitten im Thema wären. Denn das, was andere Mitglieder der Gruppe kritisieren, ist auch Marc Zwiebler aufgefallen. „Die Möglichkeiten, die wir haben, werden an manchen Stellen noch deutlich zu wenig genutzt“, sagt er. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere im Jahr 2017 hatte er bewusst Abstand vom Sport gesucht, „weil Sport bis dahin mein gesamtes Leben bestimmt hatte und ich herausfinden wollte, was es sonst noch für mich geben kann.“ Den Kontakt komplett abreißen zu lassen, sei aber nicht infrage gekommen, „denn ich wollte dem Sport für das, was er für mich bewirkt hat, gern etwas zurückgeben.“ So engagierte er sich im Exekutivkomitee des Badminton-Weltverbands, war Mitglied im Präsidium von Athleten Deutschland und der Athletenkommission im DOSB.
„Doch auf die Rolle eines Persönlichen Mitglieds war ich trotzdem nicht vorbereitet, als ich vor vier Jahren gefragt wurde, ob ich mir eine Mitarbeit vorstellen könnte, und wenn ich ehrlich bin, weiß ich bis heute nicht ganz genau, was von mir erwartet wird“, sagt er. Zu wenige Präsenztreffen mit der gesamten Gruppe, dazu ein Informationsfluss, der aus seiner Sicht sehr stark auf E-Mail-Verkehr und zu wenig auf direkte Kommunikation aufgebaut sei - die Potenziale, die in der Diversität der Gruppe liegen, würden dadurch zu wenig gehoben. „Und das ist keineswegs eine einseitige Kritik am DOSB, der versucht, uns bestmöglich einzubinden. Das liegt zu großen Teilen daran, dass die meisten Persönlichen Mitglieder sehr viele andere Dinge zu tun haben und ihrer Holschuld deshalb nicht immer nachkommen können“, sagt er.
Neue Förderrunde: „Sanierung kommunaler Sportstätten - Schwimmbäder“
Im Rahmen des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Sportstätten“ startet der Bund einen weiteren Projektaufruf speziell für die Sanierung kommunaler Schwimmbäder (SKS-Schwimmbäder). Ziel ist die umfassende Modernisierung von Hallen- und Freibädern, die Steigerung der Energieeffizienz sowie der Abbau baulicher Barrieren.
Für den Aufruf 2026 stehen 250 Millionen Euro aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“ bereit. Projektskizzenkönnen von Kommunen ausschließlich digital über das Förderportal des Bundes easy‑Online bis zum 19. Juni 2026 eingereicht werden. Über die Auswahl entscheidet im Anschluss der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages.
Auch in dieser Förderrunde haben Vereine keine eigene Antragsberechtigung. Aber erneut können die Kommunen auch Anträge für Sportstätten Dritter, z.B. Vereine stellen und damit für eine Förderung infrage kommen. Interessierte Vereine sollten daher umgehend auf ihre kommunalen Mandatsträger zugehen, um Projektskizzen über die Kommune einreichen zu können.
Gefördert werden öffentlich zugängliche kommunale Schwimmbäder einschließlich typischer baulicher Bestandteile und zweckdienliche Folgeeinrichtungen. Projektskizzen zu Schwimmbädern, die bereits zum ersten SKS-Aufruf 2025/2026 eingereicht wurden, können ohne Neueinreichung übernommen werden. Dazu ist lediglich eine formlose Erklärung per E-Mail mit der Skizzen-ID, dem Namen der einreichenden Kommune und dem Projekttitel an sks-schwimmbaeder(at)pd-g.de nötig.
Der erste SKS-Aufruf 2025/2026 verzeichnete bereits eine außerordentlich hohe Nachfrage. Über 3600 Interessenbekundungen mit einer beantragten Gesamtfördersumme von über 7,5 Milliarden Euro bei bereitgestellten 333 Millionen Euro unterstreichen den weiterhin bestehenden Handlungsbedarf. Neben dem jetzt gestarteten Aufruf SKS-Schwimmbäder ist voraussichtlich im Herbst dieses Jahres noch eine zweite SKS-Fördertranche über weitere 333 Millionen Euro vorgesehen. Weitere Informationen zum Projektaufruf können der Seite des zuständigen Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung entnommen werden.
Weitere Informationen zum Projektaufruf können der Seite des zuständigen Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung entnommen werden.




